| Die Kapelle zum Heiligen Kreuz
Bei dem Großbrand vom 14. Mai 1420, wurde auch die Bartolomäuskirche
von Rosswein in Schutt und Asche gelegt. Da beim Neubau der Kirche deren
Ausmaße wesentlich erweitert werden sollten, wurde der Friedhof ,
der bis zu dieser Zeit die Kirche umgab, verlegt. Er wurde nordöstlich
außerhalb der Stadt eingerichtet. Für diesen Zweck wurden einige
Obstgärten ihren Besitzern abgekauft.
Nun war es damals üblich, die Verstorbenen zur feierlichen Totenmesse
im Gotteshaus aufzubahren. Die Aufbewahrung im Freien und die Abhaltung
der Totenzeremonie bei Wind und Wetter behagte den Roßweinern nicht.
So schufen „Herkommen und Opfersinn“ der Roßweiner vor dem
Gottesacker eine Begräbniskapelle, die man im Hinblick auf die Todesstunde
dem h e i l i g e n K r e u z widmete, an dem
der “Heiland sein Leben aushauchte“. Die Maße des Kirchleins waren
18 ½ Ellen Breite mal 14 ½ Ellen Länge. Das sind in
unseren heutigen Maßen 10,5 m mal 8,20 m. Die Kirche hatte
eine überbaute Fläche von 86 Quadratmetern und war ganz aus Stein.
Das Dach war mit Schiefern gedeckt und hatte ein
ebenfalls mit Schiefer getäfelten Spitzturm.
| Diese
Federzeichnung wurde von Sabine Krondorf nach Beschreibungen, die man in
„Unsere Heimat“ finden kann,gezeichnet. |
Diesen nannte man
auch Dachreiter. Im Innern der Kapelle standen einige Bänke und ein
kleiner Altartisch. In den Wänden waren Schränke befestigt, worin
Totenkränze von Verstorbenen aufbewahrt wurden. Vom Fußboden
bis zu den Balken war die Kapelle 9 Ellen (5,10 m) hoch. Die Umfassungsmauern
und die Giebel waren aus massiven Bruchsteinen. Das Satteldach war mit
Kreuzbändern abgebunden. An dem Kirchlein war für die Einstellung
der Leichenbahren eine Vorhalle angebaut, deren Maße 7 ½Ellen
(4,25m) mal 8 ½Ellen (4,80 m) betrugen.
Bei einer Veränderung des Altars vor etwa 170 Jahren fand man im
Altartisch ein Reliquienkästchen aus Blei. Neben sechs Knochenstücken
barg es eine lateinische Urkunde, welche über Altar und Weihe der
Kirche Auskunft gab. Die Stiftungsurkunde war verlorengegangen. Auch
in Meißen, dem Sitz des Bistums, dem Roßwein untergeordnet
war nichts mehr über die Weihe bekannt. Auf dem Pergament aus dem
Kästchen stand in Mönchsschrift der latainische Bericht,
dessen Übersetzung lautet:
„Im Jahre des Herrn 1456 , am Tage der heiligen Maria Magdalena
ist diese Kapelle zu Ehren des heiligen Kreuzes geweiht worden durch
den in Christo achtbaren Vater und Herrn, Herrn Caspar, Bischof zu Meißen,
und dort sind ver-
wahrt Reliquien des Heiligen Martin, Nikolaus, Maria, Katharina, Ursula,
Margarete.”
Bruchstücke eines roten Wachssiegels zeigten eine stehende Maria mit
dem Christuskinde und von der Umschrift des Stempels waren noch die Buchstaben:
......aspar ep .....isnensis
zu lesen , die man wohl zu
S.Casparis episeopi ecclesie misnensis
(Siegel Caspars, Bischof der meißnischen Kirche)
ergänzen kann.
Außer auf Stadtbildern von 1629 und 1789 gibt es keine Zeichnung
der Kapelle. 1778 wurde der Leichenweg der Weg vom Kreuztor zur Kreuzkapelle
gepflastert. Im Jahre 1860 wurde die Kapelle zum Heiligen Kreuz abgerissen.
Sie war baufällig und hinderte den Zugang zum bedeutend erweiterten
Friedhof und genügte durch ihre Schmucklosigkeit den Bürgern
nicht mehr. Außerdem engte sie die Straße nach beiden
Seiten stark ein.
Die Kapelle stand hier über 400 Jahre. Die neue, etwas weiter oben
errichtete Kirche wurde am 31. Mai 1874 geweiht. Am 12. August 1865 wurde
die Straße „Am Kreuztor“ in „Kreuzstraße“ umbenannt. Vor dem
hieß das Kreuztor „Lommatzscher Tor“. Auf Wunsch der Anwohner wurde
1913, „Hinter den Scheunen“ in „Äußere Kreuzstraße“
und „Kreuzweg“ umbenannt .
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Zu jedem Heimatfest
kommen ehemalige Roßweiner wieder in ihre Heimatstadt. Das
war auch vor über 100 Jahren schon so. In alten Festschriften ließen
dann diejenigen die das Fest nicht besuchen konnten Grüße und
Glückwünsche an ihre Stadt
und ihre Angehörigen drucken. Hier sind
einige davon. |

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| Die „grüne“
Laube
Nur wenige Schritte vom Gottesackerkirchlein entfernt,
noch vor Beginn der vielen Gräberreihen und vor der ersten Gruft,
befand sich zwischen dem Haupteingang und der westlichen Friedhofsmauer
eine Laube. Es war eine hochgewölbte, wohlgepflegte, lebendige Buchenlaube.
Ihr grünes dichtes Blätterdach spendete
im Sommer wohltuenden Schatten. Schon seit Jahren hatte
man es vorgezogen in den warmen Monaten des Jahres die Leichen predigten
und Abdankungen unter Gottes freiem Himmel im Schutze der „grünen
Laube“ abzuhalten.
Als dann im Jahre 1860 der Abbruch der Kirche nötig
geworden war, diente die Laube bis zur Erbauung der jetzigen Gottesackerkapelle
im Jahre 1874 ausschließlich dem gottesdienstlichen Zweck.
Wegen der Benutzung zu gottesdienstlichen Handlungen
stand die Laube als Naturdenkmal samt ihrer Umgebung in hohem Ansehn als
ein gewisses Heiligtum. Die geistlichen des Ortes wünschten deshalb,
in ihrer Nähe als der Stätte ihrer ehemaligen Wirksamkeit einstmals
ihre letzte Ruhestätte zu finden, so wie man sonst ihre Vorgänger
im Altarraum der Kirche beizusetzen pflegte. Mit der Erbauung der neuen
Begräbniskapelle hörte die Benutzung der grünen Laube auf.
Sie wurde nicht mehr gepflegt, verwilderte und verfiel. Selbst die riesigen
Buchenstämme existieren nicht mehr. In unseren Tagen hat niemand mehr
eine Ahnung von der Bedeutung des durch früheren Gebrauch geweihten
Platzes .
So eilt die Zeit, und so ändern sich die Zeiten. |
Das „jüngste“ Wahrzeichen
des Kreuzplatzes
"Der Saubrunnen"
Die Straßengemeinschaft des Kreuzplatzes, beschloß
in einer Versammlung, den schon seit Jahren bestehenden Plan einen Springbrunnen
zu errichten. Zum Schul- und Heimatfest 1959 wurde dieser Plan in die Tat
umgesetzt.
Nach intensiver Planung und der mühsehligen Beschaffung
des Materials, erfolgte durch Walter Georgi am 6. Juni 1959 der erste Spatenstich
für den Neubau unseres Brunnens. Schon nach 14 Tagen stand der Rohbau.
Während sich auf dem Kreuzplatz die Anwohner mühten
dem Brunnen Gestalt zu verleihen , werkte im Hof des Deutschen Hauses Rolf
Gleisberg mit seinen Helfern um die Schweinchen zu er-
Schaffen , aus deren Mäulern dann Wasserfontänen
sprudeln sollten. Aus einem Drahtgestell und mit Gips, ohne jede Vorlage
schuf er die vier kleinen Schweinchen. In den „Tierchen“ eingebaute Röhrchen
ermöglichten es das dann später das Wasser durch sie „hindurch“
fließen konnte.
Nach der Fertigstellung des Brunnens gestaltete die Gärtnerei
Ludwig Kirschbaum einen wunderschönen Blumenschmuck.
Welche immense Arbeit hier geleistet wurde kann man gut
nachvollziehen, wenn man die Gesamtbauzeit von nur 5
Wochen bedenkt.
Der Brunnen war eigentlich nur für die Festtage gedacht.
Doch noch während des Schul- und Heimatfestes kam
der Wunsch der Einwohner zum Ausdruck, ihn für immer stehen zu lassen.
Der Kreuzplatz hieß im Volksmund schon seit der Zeit in der hier
noch Schweinemarkt abgehalten wurde, der „Saumarkt“. Deshalb wurden auf
dem Brunnen auch die Schweinchen aufgestellt. Somit hatte der Brunnen gleich
nach seinem Bau seinen Namen weg, der “Saubrunnen“. |
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