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Kreuplatz Kurier,
Erscheint am 7.,8.und 9.Juli 2000
anläßlich der Feierlichkeiten auf dem  Kreuzplatz zum 41.Schul- und Heimatfest  in Roßwein/Sa.
Herausgegeben von  Jürgen Pötzsch
1. Jahrgang, Ausgabe am
Sonntag, den 9. Juli 2000
Internet: www.rosswein-online.de

Das kleine „Kirchlein“ vom Kreuzplatz
„Die Kapelle zum Heiligen Kreuz“ 
Die Kapelle zum Heiligen Kreuz

Bei dem Großbrand vom 14. Mai 1420, wurde auch die Bartolomäuskirche von Rosswein in Schutt und Asche gelegt. Da beim Neubau der Kirche deren Ausmaße wesentlich erweitert werden sollten, wurde der Friedhof , der bis zu dieser Zeit  die Kirche umgab, verlegt. Er wurde nordöstlich außerhalb der Stadt eingerichtet. Für diesen Zweck wurden einige Obstgärten ihren Besitzern abgekauft.

Nun war es damals üblich, die Verstorbenen zur feierlichen Totenmesse im Gotteshaus aufzubahren. Die Aufbewahrung im Freien und die Abhaltung der Totenzeremonie bei Wind und Wetter behagte den Roßweinern nicht. So schufen  „Herkommen und Opfersinn“ der Roßweiner vor dem Gottesacker eine Begräbniskapelle, die man im Hinblick auf die Todesstunde dem  h e i l i g e n  K r e u z  widmete, an dem der “Heiland sein Leben aushauchte“. Die Maße des Kirchleins waren 18 ½ Ellen Breite mal 14 ½ Ellen Länge. Das sind in unseren heutigen  Maßen 10,5 m mal 8,20 m. Die Kirche hatte eine überbaute Fläche von 86 Quadratmetern und war ganz aus Stein. Das Dach war mit Schiefern gedeckt und hatte ein 
ebenfalls mit Schiefer getäfelten Spitzturm. 
Diese Federzeichnung wurde von Sabine Krondorf nach Beschreibungen, die man in „Unsere Heimat“ finden kann,gezeichnet.
Diesen nannte man auch Dachreiter. Im Innern der Kapelle standen einige Bänke und ein kleiner Altartisch. In den Wänden waren Schränke befestigt, worin Totenkränze von Verstorbenen aufbewahrt wurden. Vom Fußboden bis zu den Balken war die Kapelle 9 Ellen (5,10 m) hoch. Die Umfassungsmauern und die Giebel waren aus massiven Bruchsteinen. Das Satteldach war mit Kreuzbändern abgebunden. An dem Kirchlein war  für die Einstellung der Leichenbahren eine Vorhalle angebaut, deren Maße 7 ½Ellen (4,25m) mal 8 ½Ellen (4,80 m) betrugen. 

Bei einer Veränderung des Altars vor etwa 170 Jahren fand man im Altartisch  ein Reliquienkästchen aus Blei. Neben sechs Knochenstücken barg es eine lateinische Urkunde, welche über Altar und Weihe der Kirche Auskunft gab. Die Stiftungsurkunde  war verlorengegangen. Auch in Meißen, dem Sitz des Bistums, dem Roßwein untergeordnet war nichts mehr über die Weihe bekannt. Auf dem Pergament aus dem Kästchen stand in Mönchsschrift der latainische  Bericht, dessen Übersetzung lautet:

„Im Jahre des Herrn 1456 , am Tage der heiligen Maria Magdalena ist diese Kapelle zu Ehren des heiligen Kreuzes  geweiht worden durch den in Christo achtbaren Vater und Herrn, Herrn Caspar, Bischof zu Meißen, und dort sind ver-
wahrt Reliquien des Heiligen Martin, Nikolaus, Maria, Katharina, Ursula, Margarete.”
Bruchstücke eines roten Wachssiegels zeigten eine stehende Maria mit dem Christuskinde und von der Umschrift des Stempels waren noch die Buchstaben:
                   ......aspar   ep .....isnensis
zu lesen , die man wohl zu 
    S.Casparis episeopi ecclesie misnensis
(Siegel Caspars, Bischof der meißnischen Kirche)
ergänzen kann.

Außer auf Stadtbildern von 1629 und 1789 gibt es keine Zeichnung der Kapelle. 1778 wurde der Leichenweg der Weg vom Kreuztor zur Kreuzkapelle gepflastert. Im Jahre 1860 wurde die Kapelle zum Heiligen Kreuz abgerissen. Sie war baufällig und hinderte den Zugang zum bedeutend erweiterten Friedhof und genügte durch ihre Schmucklosigkeit den Bürgern nicht mehr. Außerdem engte sie die Straße nach  beiden Seiten stark ein.

Die Kapelle stand hier über 400 Jahre. Die neue, etwas weiter oben errichtete Kirche wurde am 31. Mai 1874 geweiht. Am 12. August 1865 wurde die Straße „Am Kreuztor“ in „Kreuzstraße“ umbenannt. Vor dem hieß das Kreuztor „Lommatzscher Tor“. Auf Wunsch der Anwohner wurde 1913,  „Hinter den Scheunen“  in  „Äußere Kreuzstraße“ und „Kreuzweg“ umbenannt .
 

Zu jedem Heimatfest  kommen ehemalige Roßweiner  wieder in ihre Heimatstadt. Das war auch vor über 100 Jahren schon so. In alten Festschriften ließen dann diejenigen die das Fest nicht besuchen konnten Grüße und Glückwünsche an ihre Stadt
und ihre Angehörigen drucken. Hier sind einige davon.
Die „grüne“ Laube

Nur wenige Schritte vom Gottesackerkirchlein entfernt, noch vor Beginn der vielen Gräberreihen und vor der ersten Gruft, befand sich zwischen dem Haupteingang und der westlichen Friedhofsmauer eine Laube. Es war eine hochgewölbte, wohlgepflegte, lebendige Buchenlaube.  Ihr grünes dichtes Blätterdach spendete
im Sommer wohltuenden Schatten. Schon seit Jahren hatte man es vorgezogen in den warmen Monaten des Jahres die Leichen predigten und Abdankungen unter Gottes freiem Himmel im Schutze der „grünen Laube“ abzuhalten.

Als dann im Jahre 1860 der Abbruch der Kirche nötig geworden war, diente die Laube bis zur Erbauung der jetzigen Gottesackerkapelle im Jahre 1874 ausschließlich dem gottesdienstlichen Zweck.
Wegen der Benutzung zu gottesdienstlichen Handlungen stand die Laube als Naturdenkmal samt ihrer Umgebung in hohem Ansehn als ein gewisses Heiligtum. Die geistlichen des Ortes wünschten deshalb, in ihrer Nähe als der Stätte ihrer ehemaligen Wirksamkeit einstmals ihre letzte Ruhestätte zu finden, so wie man sonst ihre Vorgänger im Altarraum der Kirche beizusetzen pflegte. Mit der Erbauung der neuen Begräbniskapelle hörte die Benutzung der grünen Laube auf.  Sie wurde nicht mehr gepflegt, verwilderte und verfiel. Selbst die riesigen Buchenstämme existieren nicht mehr. In unseren Tagen hat niemand mehr eine Ahnung von der Bedeutung des durch früheren Gebrauch  geweihten Platzes .
So eilt die Zeit, und so ändern sich die Zeiten.


Das „jüngste“ Wahrzeichen 
des Kreuzplatzes
"Der Saubrunnen"


Die Straßengemeinschaft des Kreuzplatzes, beschloß in einer Versammlung, den schon seit Jahren bestehenden Plan einen Springbrunnen zu errichten. Zum Schul- und Heimatfest 1959 wurde dieser Plan in die Tat umgesetzt. 

Nach intensiver Planung und der mühsehligen Beschaffung des Materials, erfolgte durch Walter Georgi am 6. Juni 1959 der erste Spatenstich für den Neubau unseres Brunnens. Schon nach 14 Tagen stand der Rohbau. 

Während sich auf dem Kreuzplatz die Anwohner mühten dem Brunnen Gestalt zu verleihen , werkte im Hof des Deutschen Hauses Rolf Gleisberg mit seinen Helfern um die Schweinchen zu er-
Schaffen , aus deren Mäulern dann Wasserfontänen sprudeln sollten. Aus einem Drahtgestell und mit Gips, ohne jede Vorlage schuf er die vier kleinen Schweinchen. In den „Tierchen“ eingebaute Röhrchen ermöglichten es das dann später das Wasser durch sie „hindurch“ fließen konnte. 

Nach der Fertigstellung des Brunnens gestaltete die Gärtnerei
Ludwig Kirschbaum einen wunderschönen Blumenschmuck.
Welche immense Arbeit hier geleistet wurde kann man gut 
nachvollziehen, wenn man die Gesamtbauzeit von nur 5 Wochen bedenkt. 

Der Brunnen war eigentlich nur für die Festtage gedacht.
Doch noch während des Schul- und Heimatfestes kam der Wunsch der Einwohner zum Ausdruck, ihn für immer stehen zu lassen. Der Kreuzplatz hieß im Volksmund schon seit der Zeit in der hier noch Schweinemarkt abgehalten wurde, der „Saumarkt“. Deshalb wurden auf dem Brunnen auch die Schweinchen aufgestellt. Somit hatte der Brunnen gleich nach seinem Bau seinen Namen weg, der “Saubrunnen“.


Quellen:
Verschiedene Ausgaben von „Unsere Heimat“ (1920-1934); verschiedene Ausgaben des „Roßweiner Tageblatt“ (1898-1937);
„Rund um das Kreuztor“ von Max Ringel; Heimatfestschriften 1998, 1907, 1911, 1925, 1929, 1937); Roßweiner Sonntagserzähler, Beiträge von Fritz Kaufmann aus der Sammlung von Richard und Martina Thiele

Vielen Dank für die Bereitstellung von Quellen, Materialien und Bildern an:
Dieter Harzbecher, Kurt Jentzsch, Herrn und Frau Georgie, Christian Lenquenat, Dieter Kodanke, Gerhard Hoyer, Ines Lammay, Jörg Hanisch, Reinhard Senf, Luise Bauch, Horst Knoth, Günther Schluttig, Jens Vater, Frau Heynert, Frieda Georgie, Frau Härtig, Herr Wachs, Veit Lindner, Uwe Ordnung 

Idee,  Redaktion, Ausarbeitung und Inhalt:
© Jürgen Pötzsch,
Tel.: (034322) 42770
Aufbereitung für das Internet zur Veröffenlichung bei:
www.rosswein-online.de
© Karsten Landgraf,
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