Schauplatz
des 7-jährigen Krieges
Geschichtsträchtiger
Aussichtspunkt - Die Radewitzer Höhe
Nördlich von Nossen erhebt sich über den Feldern die
Radewitzer Höhe, deren Kuppe von einem Wäldchen bedeckt ist.
Man vermutet nicht, daß man von dem unbedeutend erscheinenden Hügelchen
bei klarem Wetter mit einem herrlichen Rundblick belohnt wird.
Ein
monumentales Grabmal
Von
Radewitz aus erreichen wir die 305 m hohe Kuppe auf einem Feldweg. Oben
angelangt, steht man bald vor einem monumentalen Grabmal, das bis zu den
Baumwipfeln aufragt. Davor ist die schlanke Statue eines säenden Bauern
aufgestellt.
Hier hat sich die Familie Hänsel
aus Radewitz, zu deren Grundbesitz die Höhe gehörte, ihre letzte
Ruhestätte geschaffen. |
Herrlicher Rundblick über
den Klosterbezirk Altzella...
Der Rundblick in die nähere
Umgebung zeigt uns einen Ring kleinerer Dörfer. Im Norden liegt das
Dörfchen Raußlitz mit seiner Kirche im Vordergrund, und
wenige Kilometer östlich, von einer Bodenwelle verdeckt, der Ort Katzenberg,
früher Katzenhäuser genannt. Es sind nicht die langgestreckten
Reihendörfer der deutschen Besiedlungen, wie sie südlich von
Nossen vorherrschen, hier sind es Rundlinge, typisch für die wendisch-sorbischen
Dorfgründungen. Die Endungen der Dorfnamen -itz und -itzsch weisen
darauf hin. (...hier Rundblick)
...und noch weiter ins
Land
Bei klarem Wetter findet man am Horizont
die Schornsteine von Muldenhütten, den Richtfunkturm bei Hartha,
den Collmberg bei Oschatz, das Industriegebiet um Riesa mit Schornsteinen
und großen Neubaublocks sowie die Höhenzüge des Osterzgebirges.
Die Höhe spielte
mit ihrer umfassenden Aussicht in Kriegszeiten eine besondere Rolle
Sehen
wir uns in dem kleinen Wäldchen um, finden wir außer betonierten
Schützenlöchern, diese stammen aus jüngerer Zeit, auch noch
Wallanlagen
und Schanzen aus dem Siebenjährigen Krieg.
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| Der
Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763)
Damals standen sich hier monatelang
die österreichisch/sächsischen Truppen und das Reichsheer auf
der einen und das preußische Heer auf der anderen Seite gegenüber.
Dabei hatten die preußischen
Truppen unter Prinz Heinrich (Bruder Friedrichs des Großen) rechts
der Mulde auf den Höhen eine starke, strategisch wichtige Stellung
aufgebaut, die sogenannte Katzenhäuser-Stellung. Sie zog sich von
dem befestigten Lager Schletta bei Meißen zu den Katzenhäusern
und der Radewitzer Höhe bis Lüttewitz-Petersberg hin.
Der Chronist
berichtet:
„Ein Kämpfen
war es Mann gegen Mann. Flinte, Pistole und Säbel wüteten furchtbar.
Das donnernde Getöse der Kanonen, das die Berge zurückwarfen,
war weithin zu hören. Schon nach zweistündigem Kampfe waren die
Preußen Sieger. Österreicher und Reichstruppen waren geschlagen
und befanden sich in voller Flucht und Auflösung. Kaiserin Maria Theresia
hatte endgültig verloren. Die Österreicher verloren 7.400 Mann,
die preußischen Truppen mußten einen Verlust von 1.400 Toten
und Verwundeten beklagen. Der Sieg bei Freiberg war entscheidend und ihm
folgte auch bald das Ende des Siebenjährigen Krieges." |
Sächsischen
Bevölkerung muß Kriegslast tragen
Was aber, außer den Verlusten
an Menschen und Hab und Gut, der sächsischen Bevölkerung an weiteren
Lasten aufgebürdet wurde, zeigt eine Aufstellung der ungeheuren Aufwendungen
für die Behebung der Verwüstungen. Die Landesregierung stellte
fest, daß allein die Katzenhäuser-Stellung 63 Schanzen mit einer
Länge von 15.541 Ellen und 54 Batterien mit einer Länge von 7.265
Ellen hatte. Die Gesamtlänge betrug also 22.806 Ellen, das sind umgerechnet
12.916 Meter.
Dies entspricht etwa der Eisenbahnstrecke
Meißen - Radebeul/West. Dazu kamen noch 12.244 Wolfsgruben und Unterstände. |
Drei
Jahre Arbeitszeit von 1.000 Arbeitern zu Behebung der Kriesschäden
Für die Einebnung dieser Katzenhäuser-Stellung
schätzte das Amtsgericht Meißen eine dreijährige Arbeitszeit
von 1.000 Arbeitern ein. Und hinter dieser Stellung lag eine zweite, völlig
ausgebaute Aufnahmestellung bei Lommatzsch. An den Zahlen läßt
sich ermessen, was die ohnehin durch den Krieg schon schwergeprüfte
Bevölkerung auch danach noch durch die Beseitigung der Kriegsschäden
aufzubringen hatte. |
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